Die Menschen

Pionierleistungen in der Raum- und Verkehrsplanung

Wussten Sie, dass Österreich für die Verkehrsplanung bis vor kurzem eine Insel war? Eine Insel allerdings in dem Sinn, dass die Planung nur losgelöst innerhalb der eigenen Staatsgrenzen stattfand. Um mit komplexen Rechen- und Schätzmethoden die Verkehrsbelastungen der Zukunft berechnen zu können, werden schon seit Jahrzehnten Computermodelle mit zahlreichen demographischen und statistischen Daten gefüllt. Bislang war es jedoch nicht möglich, Daten über den Grenzverkehr oder gar Strukturdaten aus den Nachbarländern zu bekommen. Und wenn doch, passten diese Daten mit den heimischen nicht zusammen. Besonders der Großraum Wien-Bratislava weist jedoch bedeutende grenzüberschreitende Pendlerströme auf, was eine umfassende Verkehrsplanung unverzichtbar macht. Im Rahmen der slowakisch-österreichischen Zusammenarbeit wurden hier Pionierleistungen erbracht.

ERRAM SK-AT ist ein Planungstool für grenznahe Gemeinden in der Slowakei, Österreich, Tschechien und Ungarn, das die Auswahl eines geeigneten Standortes für verschiedene Nutzungen zu bestimmen hilft. Sollen beispielsweise neue Siedlungen geplant werden, analysiert das Modell die Qualität der Verkehrsanbindung, die Nähe zu Geschäften, medizinischer Versorgung und viele Faktoren mehr.

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Das Verkehrsmodell VKM simuliert nicht nur den Straßenverkehr in Österreich, der Slowakei, Tschechien und Ungarn, sondern bildet auch den öffentlichen Verkehr fahrplangenau ab. Dieses umfangreiche Modell kann zukünftige Verkehrsströme vorhersagen, und auf diese Weise die Wirkung von Ausbaumaßnahmen im Verkehrsnetz abschätzen. Gemeinden und Betreiber des öffentlichen Verkehrs verwenden solche Modelle für alle größeren Maßnahmen, wie zum Beispiel dem Ausbau der U-Bahn in Wien oder die Erstellung der Fahrpläne der ÖBB.

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BRAWISIMO kümmert sich um die Datengrundlage, die nicht nur für Verkehrsmodelle benötigt wird, sondern für die Raumplanung generell. Eine im deutschsprachigen Raum etablierte Erhebungsmethode über die Mobilität einzelner Haushalte wird simultan und zum ersten Mal auch in der Slowakei durchgeführt. Mussten die Daten verschiedener Länder bislang durch Umrechnen vergleichbar gemacht werden, erhält man nun eine wirklich einheitliche Datenlandschaft.

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Seit dem Fall des Eisernen Vorhangs 1989 und dem Inkrafttreten des Schengener Abkommens zwischen der Slowakei und Österreich im Jahr 2009 nimmt der grenzüberschreitende Verkehr stetig zu. Die fast 100 Jahre währende Trennlinie verblasst in den Köpfen der Menschen immer mehr. Doch auch die Verkehrssysteme haben sich unterschiedlich entwickelt, und die Verkehrsteilnehmer sind nicht vertraut mit Regeln und Vorschriften im Nachbarland. Das gefährlichste Verkehrsmittel in dieser Hinsicht sind Autos. Im Rahmen des Projekts ROSEMAN haben Experten für Verkehrssicherheit daher beispielhaft die kritischsten Stellen in den grenznahen Gemeinden Hohenau, Malacky und Kostolište analysiert – also beispielsweise Fussgängerübergänge in der Nähe von Kindergärten und Schulen oder an Ortseinfahrten – und mit baulichen Maßnahmen wie Signalanlagen, Fahrbahnverengungen oder Geschwindigkeitsanzeigen die Sicherheit für Fußgänger erheblich verbessert. Gemeinden, die ihre Verkehrssituation optimieren möchten, können von dem im Projekt gewonnenen Know-How profitieren, das in einem Maßnahmenkatalog für Verkehrssicherheitsmaßnahmen umfassend dokumentiert ist.

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