Die Menschen

Arbeitsmarkt und Erwachsenenbildung

Der slowakisch-österreichische Arbeitsmarkt ist seit dem EU-Beitritt der Slowakei im Jahr 2004 mit Einschränkungen, mit Aufhebung der Übergangsbestimmungen 2011 sogar komplett offen. Aus der Slowakei kommen Arbeitskräfte nach Österreich, österreichische Firmen eröffnen Standorte in der Slowakei. Aufgrund der weltweit fast einzigartigen Twin-City-Konstellation von Wien und Bratislava überlappen sich die Wirtschaftsräume und die Arbeitsmärkte.

Während darin für viele ein großes Entwicklungspotential liegt, werden andere vom Markt verdrängt, darunter viele Arbeitnehmer oder kleine und mittlere Unternehmen. Entsprechend groß ist der Bedarf nach Koordination, vor allem um Rahmenbedingungen, Ausbildungsmodelle und berufliche Anforderungsprofile aufeinander abzustimmen.

In der Überregionalen Beschäftigungsinitiative wird die grenzüberschreitende Mobilität von Facharbeitern gefördert. Über die Jobtour können Berufsbilder in den vier Nachbarländern Österreich, Slowakei, Tschechien und Ungarn eingesehen, Voraussetzungen und Rahmenbedingungen verglichen werden. Nicht nur die Arbeitnehmer, auch Arbeitsämter, Ausbildungseinrichtungen und Sozialpartner haben durch dieses Projekt grenzüberschreitendes Know-How aufgebaut.

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Neben der gegenseitigen Anerkennung von Berufsabschlüssen ist die Kenntnis der rechtlichen Rahmenbedingungen wichtig. Viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die im Ausland arbeiten, kennen die gesetzliche Situation vor Ort nicht ausreichend. Manche Arbeitgeber nützen dies aus, und vor allem in Österreich müssen Menschen aus den östlichen Nachbarländern zu gesetzeswidrigen Bedingungen arbeiten. Um  dem entgegenzuwirken und die Chancengleichheit auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern, haben die Gewerkschaften in den Projekten ZUWINBAT und Arbeitsmarkt+ eine Rechtsberatung für ausländische Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Österreich ins Leben gerufen. Neben direkter Abhilfe werden auch die zuständigen Behörden geschult, den auftretenden Problemen rascher und wirkungsvoller entgegenzutreten.

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Frauen haben heutzutage noch immer nicht die gleichen Chancen am Arbeitsmarkt wie Männer. Vor allem wenn es notwendig ist, Familie und Erwerbstätigkeit zu verbinden, werden Frauen oft in die Selbständigkeit gedrängt. Das Projekt REGIONFEMME hat sich daher die Förderung des grenzüberschreitenden Unternehmertums insbesondere von Frauen auf die Fahnen geschrieben. Frau Daniela Bušinská, Leiterin des Projekts, sagt: »Laut unserer Erfahrung gibt es zwei Gruppen von Frauen – einerseits jüngere Frauen, die ein Unternehmen gründen wollen, weil sie unabhängig und ihre eigenen Chefinnen sein wollen. Andererseits Frauen, die ein Unternehmen gründen müssen – Frauen über 40, die aus der Karenz zurückkommen. Und gerade diesen Frauen muss besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden. Sie müssen in Kontakt mit erfolgreichen Unternehmerinnen treten, sich an diesen ein Beispiel nehmen, positiv denken, an sich glauben, an Programmen zur Förderung von Unternehmerinnen teilnehmen und sich vor allem mit Menschen umgeben, die sie unterstützen und nicht von ihren Vorhaben abbringen möchten. Das ist am Anfang das Wichtigste!«

Ein Beispiel ist Viera Brázdovičová, die das aufsteigende Familienunternehmen »Princess Slovakia« führt. Zusammen mit ihrem Mann und ihrem Sohn, die sich um den technischen Teil der Produktion kümmern, stellt sie modische Brillengestelle her. Frau Brázdovičová widmet sich neben dem Design der Gestelle auch dem Marketing. Dank der Teilnahme am Projekt REGIONFEMME gelang es ihr, eine Zusammenarbeit mit Wiener Optikern sowie einer österreichischen Firma zu aufzubauen, die spezielle Teile für CNC-gesteuerte Maschinen in der Brillenproduktion herstellt.

Ein weiteres Beispiel stellt die Unternehmerin Lucia Hakelová dar: Die Innenarchitektin fand dank dem Projekt neue Kunden in Österreich. In ihrem neuen Büro in Hainburg an der Donau führt sie seither unter dem Markennamen »luica haquel« ein erfolgreiches Unternehmen und widmet sich Haus- und Wohnungsrenovierungen.

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Doch auch Menschen, die bereits mit beiden Beinen im Berufsleben stehen, benötigen mitunter Unterstützung – Weiterbildungsangebote helfen beim Start in einen neuen Lebens- oder Karriereabschnitt. Für Mitarbeiter der metallverarbeitenden Industrie wurde dafür von der österreichischen Schweißtechnischen Zentralanstalt im Projekt SMILE die Zusatzausbildung zum »International Welded Structures Designer« (Internationaler Schweißkonstrukteur) samt internationalem Diplom ins Leben gerufen. Die slowakisch-österreichische Ausbildung vermittelt die neuesten Richtlinien und fördert so das Innovationspotential bei der Entwicklung neuer Stahlbauprodukte. Auch ein Abschluss im Fernstudium ist möglich.

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Die Automobil-Zulieferindustrie ist in der Slowakei und Österreich ein bedeutender Wirtschaftszweig. Ein international anerkannter MBA (Master of Business Administration) in Automotive Industries wird an der Technischen Universität Wien sowie der Technischen Universität Bratislava laufend angeboten. Genaue Informationen finden Sie auf der englischsprachigen Website.

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Doch nicht nur für den Arbeitsalltag braucht es eine gute Ausbildung: Gerade im Notfall können Menschenleben von einer optimalen Vorbereitung abhängen. Insbesondere freiwillige Helfer benötigen hierfür eine fundierte Ausbildung. Da Katastrophen nicht an der Grenze halt machen, müssen auch für die Einsatzkräfte die Hürden so weit wie möglich abgebaut werden: Abläufe und Einsatzmaterial sind oft unterschiedlich, Informationen werden nicht effizient genug weitergegeben, und nicht zuletzt scheitert die Zusammenarbeit oft an der Sprachbarriere. CARESS@danube bringt die verantwortlichen Stellen und wichtigste Informationen für den Fall einer Katastrophe auf der Donau grenzübergreifend zusammen. Angehörige der Feuerwehren bekommen eine spezielle Ausbildung, die auch im Rahmen von spektakulären Übungen zur Schau gestellt werden.

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Autismus kennt hingegen keine Grenzen und wird in seinen verschiedenen Ausprägungen in den letzten Jahren immer häufiger diagnostiziert - neuere Untersuchungen sprechen sogar von rund 1% Betroffenen. Gründe für diese Steigerung sind ein vermehrtes Bewusstsein für autistische Zustandsbilder und bessere diagnostische Möglichkeiten. Kliniken und Ambulanzen sind durch den massiven Anstieg der Anfragen nach Diagnostik und Behandlung wegen Autismus-Verdachts jedoch häufig überfordert. Moderne Behandlungsmethoden müssen erst etabliert werden. Im Projekt Autism Competence Exchange wird eine solche Methode, die Applied Behaviour Analysis, in Österreich und der Slowakei eingeführt. Dabei gilt es, die Methode auch an die versicherungstechnischen Rahmenbedingungen anzupassen, damit die Behandlung durchführbar und leistbar ist.

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Erfahren Sie mehr über eine neu entwickelte Ausbildung zum Energieberater beim Projekt REACT.

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